UV-Klärer gegen Algen im Aquarium

Algen beschäftigen die Besitzer von Aquarien seit es Aquarien gibt. Und genauso viele Berichte es über Algen im Aquarium gibt, genauso viele Mittel und Ratschläge, ja teilweise regelrechte Philosophien gibt es über den Sinn- oder Unsinn der Algenbekämpfung. Das massenhafte Auftreten von Algen, stellt aber für die meisten Aquarianer ein Probleme dar. Algen trüben das Wasser im Aquarium, im schlimmsten Fall, bis keine Sichttiefe mehr vorhanden ist. Algen besiedeln alles was sich im Aquarium befindet, inkl. den Wasserbewohnern wie z.B. Gehäuseschnecken. Die ästhetische Qualität des Aquariums sinkt enorm durch das unkontrollierte Wachstum von Algen. Der gesamte Themenbereich der Aquascaping-Aquarien, Natur-Aquarien, Holländer-Aquarien leben vom glasklaren Wasser, üppiger Bepflanzung  und algenfreien Becken. Und wer einmal ein derartiges Becken gesehen hat, ist fasziniert und wird keine Algen mehr in seinem Becken haben wollen…

Wichtig: Wenn im weiteren Verlauf dieses Beitrags über die spezifische Bekämpfung von Algen nachgedacht wird, dann sollten die Basis-Faktoren für eine ausgewogenes Aquarium-Biotop im Auge behalten und angestrebt werden: regelmäßige Wasserwechsel und eine ausreichende Anzahl von Pflanzen, ggfs. unterstützt durch den Einsatz von CO2-Anlagen, ausreichend Licht und Wärme.

Die gängigen Mittel um Algen im Aquarium zu bekämpfen, sind:

  • Verdunkelung des Aquariums,
  • Beleuchtungspausen,
  • Wechsel der Leuchtstoffröhren, geringere Lumenzahl, andere Lichtfarbe,
  • Fütterung verringern oder komplett einstellen,
  • Größere Wasserwechsel,
  • Chemische Algenmittel,
  • Düngung der Wasserpflanzen verringern oder komplett einstellen,
  • Wasserwerte anpassen,
  • usw.

In den meisten Fällen werden diese Hausmittel nicht konsequent oder richtig eingesetzt und der geplagte Aquarianer wird immer ungeduldiger und verzweifelter.

Wir haben die häufigsten „Problem-Algen“ im Aquarium nachfolgend dargestellt und beschreiben, ob ein UV-Klärer bei der Beseitigung der Problem-Alge helfen kann. Um es gleich vorweg zu nehmen: In einigen Fällen ist er das Mittel der Wahl! In anderen Fällen brauchen Sie die Hoffnungen nicht auf einen UV-Klärer richten. Wir haben in diesen Fällen alternative Methoden und Mittel dargestellt, die sich in der Aquaristik-Szene bewährt haben, wenn diese diszipliniert und streng nach Vorgabe angewendet werden.

Schwebealgen (Staubalgen, Algenblüte, Grünes Wasser)

Volvox Kugelalgen - grünes Wasser
Volvox Kugelalgen – grünes Wasser

Grünes Wasser, welcher Aquarianer kennt es nicht, Fische und Pflanzen sind kaum noch zu sehen, da das Wasser sich in kurzer Zeit in eine grüne „Suppe“ verwandelt hat. Der Grund: winzige Algen, die sich auf Grund von idealen Wachstumsbedingungen massenhaft vermehrt haben.

Um das Phänomen der Algenblüte zu bekämpfen, werden dann die gängigen oben genannten Hausmittel ausprobiert, meist ohne Erfolg. UV-Klärer sind ein wirkungsvolles Mittel gegen Schwebealgen im Aquarium, selbst eine Algenblüte wird in kurzer Zeit durch die Verwendung eines UV-Klärers verschwinden. Der Effekt ist verblüffend und fasziniert. In wenigen Tagen wird das Wasser im Aquarium wieder glasklar, man kann quasi zuschauen. Die Schwebealgen werden garantiert verschwinden. Welcher UV-Klärer Typ der richtige für Sie ist, erfahren Sie hier.

Wichtig: da in der gleichen Zeit in der das Wasser glasklar werden wird, werden größere Mengen von lebenden Algen und anorganische Materialen umgewandelt. Dabei können Nitrite entstehen, die für Ihre Wasser-Lebewesen gefährlich werden können. Dieser Effekt ist vergleichbar mit dem unbemerktem Sterben eines Fisches in ihrem Aquarium, nur dass es sich um das gleichzeitige Sterben von Millionen kleiner Algenzellen, die in der Summe ebenfalls mehrere Gramm tote organische Masse darstellen, handelt. Daher unsere Empfehlung: auch wenn das Wasser super klar und sauber wirkt, führen Sie nach etwa einem Tag einen großzügigen Wasserwechsel durch (mind. 50 %), als Alternative dazu: beobachten Sie, wie sich die Nitritwerte des Wassers entwickeln, verwenden Sie dabei einen Nitrit-Test (Link), steigen die Nitrit-Werte über die Grenzwerte, dann wechseln Sie das Wasser großzügig (mind. 50 %). Die Wasserwechsel danach Sie dann wieder wie gewohnt durchführen.

Fazit: Schwebealgen können hervorragend durch UV-Klärer bekämpft werden.

Wenn man bei der Recherche nach einer Lösung für Grünes Wasser im Aquarium an dieser Stelle am Ziel angelangt ist, dann sind die folgenden Artikel lesenswert:

>> Die 12 besten Aquarium Innenfilter mit UVC <<
oder 
 >> Die 8 besten Aussenfilter mit UVC <<

Fadenalgen (Haar-Algen)

Fadenalgen - Algen im Aquarium
Fadenalgen – Algen im Aquarium

Auch diese Algen-Art ist ein Graus für jeden Aquarianer. Fadenalgen sitzen im Aquarium fest an Pflanzen, Bodengrund und Einrichtungsgegenständen. Sie lassen sich mechanisch entfernen, z.B. indem man die Fadenalgen auf einem Holzstab, einer dünnen Leiste o.ä. (möglichst ungehobelt, rau) aufwickelt. Tipp: Die Holzstäbe von Silvesterraketen eignen sich hierzu hervorragend. Da Fadenalgen nicht im Freiwasser schwimmen, werden Fadenalgen auch nicht durch den UV-Klärer geleitet und daher auch nicht bestrahlt. Man sagt UV-Klärern zwar nach, dass sie das Wachstum von Fadenalgen hemmen, da Algensporen bestrahlt und inaktiviert werden. Im Vergleich zum gesamten Algenkörper ist das allerdings nur ein winziger Anteil an der gesamten Biomasse der Fadenalgen und damit kein wirksames Mittel zur Bekämpfung. Fadenalgen nutzen in manchen Fällen die freigewordenen Nährstoffressourcen im Aquarium, die durch die Beseitigung von Schwebealgen entstanden sind und wachsen dann prächtig, da der Nährstoffkonkurrent nun fehlt. Das Wasser ist dann klar, aber mit vielen Fadenalgen durchsetzt. Da manche Aquarianer ihre Hoffnungen auf Garnelen oder algenfressende Fische setzen, folgender ernüchternder Hinweis: Fadenalgen werden in einem Aquarium in denen Fische und andere Bewohner regelmäßig gefüttert werden, weder durch Garnelen (keine Zwerg-Garnelen und auch keine Armano-Garnelen), noch durch algenfressende Fische (keine Algenfressenden Antennenwelse, keine Ohrgitterharnischwelse, keine Rüsselbarben) beseitigt werden können. Man müsste Garnelen und Fische schon regelrecht „aushungern“ um sie dazu zu bewegen, die Fadenalgen zu verzehren. Auch ist die Anzahl der notwendigen Individuen meist viel höher, als das was als „Funktionsfisch“ oder „Funktionsgarnele“  angeschafft und in das Becken gesetzt wird. Sparen Sie sich und den Tieren, den erfolglosen Versuch. Bitte lesen Sie auch die unten stehenden Informationen zum Thema Redfield-Verhältnis und Estimative Index.

Die Firma Söll hat den großen Bedarf an Produkten zur Fadenalgenbekämpfung erkannt und einen UV-Klärer entwickelt, der auch das Fadenalgenwachstum um bis zu 50% reduzieren soll. Der UV-Klärer wurde für die Klärung von Gartenteichen entwickelt. Der Söll UV-Klärer arbeitet nach folgendem Prinzip: Fadenalgen wachsen nur tagsüber, da Fadenalgen neben den Nährstoffen das Sonnenlicht zum Wachstum benötigen. Der UV-Klärer besitzt einen Dämmerungsschalters nur bei Dunkelheit eingeschaltet wird und tagsüber (in der Wachstumsphase der Algen) ausgeschaltet wird. Nachts sollen die Nährstoffe im Wasser durch die Bestrahlung durch UVC-Licht abgebaut werden und den Fadenalgen am Tag (bei Sonnenlicht) dann nicht mehr zur Verfügung stehen und so dass Fadenalgenwachstum eindämmen. In den Produktbeschreibungen wird leider nicht erläutert, welche Nährstoffe durch die nächtliche Bestrahlung abgebaut werden sollen. Die UV-Klärer werden unter dem Produktnamen Söll UV-Klärer mit daytronic verkauft. Glaubt man den Beschreibungen des Herstellers, dann wäre der Effekt durch die Verwendung von Zeitschaltuhren nachzustellen und so auch für den Aquaristik-Bereich nutzbar. Haben Sie Erfahrungen mit den Söll daytronic UV-Klärern in Bezug auf das Fadenalgen Wachstum gesammelt? Wir würden uns über Ihre Meinung und Erfahrungsberichte sehr freuen!

Fazit: Fadenalgen sollen durch spezielle, zeit-gesteuerte UV-Klärer (Söll daytronic) im Wachstum eingeschränkt werden können. Klassische UV-Klärer können das Fadenalgenwachstum nicht reduzieren oder aufhalten.

Pinselalgen (Rotalgen, Bartalgen)

Pinselalgen - Algen im Aquarium
Pinselalgen – Algen im Aquarium

Sie sind der „kleine Bruder“ der Fadenalgen, kürzer und in dichten Büscheln wachsend. Je nach Umgebungsbedingungen haben sie eine rötliche, bräunliche, graue oder auch fast schwarze Färbung. Sie besetzen gerne Bereiche im Aquarium, die auf Grund von Strömung nicht durch Wasserpflanzen besiedelt sind. Auch Pinselalgen sind nicht durch einen UV-Klärer zu beseitigen. Auch wenn es ernüchternd klingt, keine mechanische Entfernung wird diesen Algentyp dauerhaft beseitigen. Die Basiszellen der Alge sitzen so fest am Untergrund, dass sie immer wieder austreiben werden. Auch Garnelen oder algenfressende Fische werden diese Algen nicht beseitigen! Es gibt Berichte von Aquarianern, die durch die Verwendung von bestimmten Filtermedien Erfolge bei der Beseitigung von Pinselalgen gemacht haben. Dabei wird ein spezielles Filtermaterial der Firma Sera: siporax. Es handelt sich dabei um poröse Röhrchen aus reinem, gesintertem Glas, die im Austausch zu den Standard-Filtermaterialien in die Innen- oder Aussenfilter eingebracht werden. Die Besonderheit ist eine immens große Besiedlungsfläche für Bakterien, die sich aus der porösen Struktur der Filterelemente ergibt. Laut den Erfahrungsberichten von Anwendern, wurde in der Mehrzahl der dokumentierten Anwendungsfällen, der Pinselalgenbefall nach ca. 2 Monaten beseitigt. Da das Filtermaterial auch über die Beseitigung der Pinselalgen hinaus positive Einflüsse auf die Wasserqualität haben wird, wird es auch langfristig eine sinnvolle Anschaffung sein.

Fazit: UV-Klärer können Pinselalgen nicht bekämpfen.

Blaualgen (Schmieralgen, Cyanobakterien)

Blaualgen sind eigentlich keine Algen, auch wenn sie so benannt werden, da sie wie ein blaues Gewebe weite Flächen im Aquarium überziehen können und dabei Algen ähnlich sehen. Es handelt sich dabei aber im Bakterien, sogenannte Cyanobakterien, meist der Gattung Oscillatoria die häufig im Aquarium auftreten. Da Blaualgen nicht im Wasser schweben, sondern sich auf Einrichtungsgegenständen, Pflanzen und Bodengrund ausbreiten, sind sie nicht durch einen UV-Klärer zu bekämpfen. Alternative Hilfe gegen Blaualgen: Ein Mittel welches nachweislich helfen soll, ist eine Dunkelkur über 4 Tage:

  • Bodengrund reinigen, möglichst viele Blaualgen entfernen
  • Verdunkeln, am besten mit Wellpappe
  • Zwei große Wasserwechsel am ersten und 4. Tag
  • Zusätzliche Belüftung einbringen
  • Kein Futter

Fazit: Blaualgen können nicht durch UV-Klärer beseitigt werden.

Redfield-Verhältnis und Estimative Index

In der Literatur zur Blaualgen- und Grünalgen-Bekämpfung wird viel über das sogenannte Redfield-Verhältnis (Redfield-Ratio) geschrieben und berichtet. Die Argumentationskette ist etwas länger, soll aber hier nicht fehlen: Eine der Grundlagen ist das Minimumgesetz des deutschen Agrarwissenschaftlers Carl Sprenger. Er hat erkannt, dass Pflanzen den gesamten Nährstoff-Komplex benötigen und das Fehlen eines Nährstoffs nicht durch einen anderen Nährstoff ausgeglichen werden kann. Ein massenhaftes Wachstum von Algen auf der fehlenden Wachstum und damit fehlendem Nährstoff-Konsum der im Aquarium befindlichen Wasserpflanzen beruht. In den Fällen sind Nährstoffe im Wasser vorhanden, die nicht durch die Wasserpflanzen verwertet werden können. Die Pflanzen wachsen nicht richtig auf Grund des Mangels eines oder mehrere Nährstoffe (Minimumgesetzt) und die Algen nutzen diese Schwäche in übernehmen die Rolle der Nährstoff-Konsumenten. Um das Minimumgesetz besser zu verstehen wurde das Modell der Minimum-Tonne (das Bild eines Holzfass passt noch besser) entwickelt: Eine offenes Holzfass mit unterschiedlich langen Dauben (Bretter) kann nur bis zur Höhe der kürzesten Daube befüllt werden. Genauso kann ein Organismus sich nur so weit entwickeln, wie es die knappste Nährstoff erlaubt. Mitte der 60iger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde dann bei der Untersuchung der optimalen Nährstoffversorgung von Plankton eine festes Stoff-Verhältnis von 1 Molekül Phosphor : 16 Moleküle Stickstoff : 106 Moleküle Kohlenstoff das vom Plankton angestrebt wird und auch auf von höhere Pflanzen und damit auch von Wasserpflanzen angestrebt wird. Die notwendigen Handlungsempfehlungen um dieses Wissen zur Beseitigung von Algenproblemen einzusetzen beschreiben sich wie folgt:

  • Ausgangssituation für die Werte Phosphor und Stickstoff ermitteln, z.B. mit dem Sera Tröpchentest für Nitrat und Phosphat
  • Phosphat und Stickstoff in einer Mengen einbringen und das Zielverhältnis einstellen.

Für die Berechnung der zuzufügenden Nährstoffe wurde von dem niederländischen Aquarianer Charles Buddendorf ein Berechnungstool ermittelt, in das die Ausgangswerte und Parameter des Beckens eingegeben werden und die notwendige Mengen an Stickstoff und Phosphor berechnet. Das Tool ist in englischer Sprache beschrieben, eine deutsche Anleitung von Andreas Groß findet man hier.

Der Vollständigkeit halber möchten wir auch den Estimative Index Ansatz zur Pflanzendüngung und damit zur Algenvermeidung erwähnen. Dabei wird eine hohe Düngung mit einer speziell für Wasserpflanzen entwickelten Düngemischung, kombiniert mit wöchentlichen, hohen Wasserwechseln. Die Wasserwechsel sind von zentraler Bedeutung bei diesem Ansatz, da damit immer wieder eine sichere Ausgangssituation für die neue Düngergaben geschaffen wird, und so ungewollte Stoffanhäufungen vermieden werden. Die Düngung wird dabei bewusst sehr üppig eingestellt, um den Wasserpflanzen einen unbegrenzten, unlimitierten Wuchs zu ermöglichen. Die Firma Aqua Rebell aus Braunschweig hat hierfür eine spezielle Düngemittel-Produktreihe Aqua Rebell Estimative Index entwickelt, mit dem diese Estimative Index Konzept einfach umgesetzt werden kann. Estimative Index und Redfield-Verhältnis werden in der Wasserpflanzen und Aquascaping-Szene intensive diskutiert und ausprobiert, ein tolles Forum hierzu ist http://www.flowgrow.de, ebenfalls von den Gründern von Aqua Rebell betrieben.

UV-Klärer sind für einige Algen keine Lösung. Wie man ohne Chemie dennoch Algen beseitigen kann erfährt man in diesem Beitrag:

>> Alternativen zum UV-Klärer bei der Bekämpfung von Algen <<